TA und TLZ zu „Trash.Landing 2“

Die Göttliche Komödie: Zwei künstlerische Positionen zu Dantes Hauptwerk in der Kunsthalle Erfurt
03. Februar 2018
Höllisch viel los: Die Eröffnung der Ausstellung „Trash.Landing 2“ des Künstlerduos Gunther Lerz und C. W. Olafson lockte unzählige Gäste zu einer Reise durch das Jenseits in die Erfurter Kunsthalle. Foto: Inga Hettstedt
Erfurt. Es ist ein großes Glück, dass sich die Wege der Künstler Gunther Lerz und C. W. Olafson kreuzten. Der Maler und der Theaterkünstler gehen seit vielen Jahren konsequent einen Weg, der sie bis in die Kunsthalle führte. Für das Künstlerduo fühlt sich das ein bisschen an, wie der Titel der gestrigen Performance anlässlich der Ausstellungseröffnung: Landing Paradise – Landung im Paradies.
Im Gegensatz zu Dante sind die beiden Erfurter Künstler mit „Trash.Landing 2“, so der Name der Ausstellung, nicht zwingend am Ziel angekommen, vielmehr ist zu erwarten, dass ihre Reise mit der Ankunft im Paradies noch lange nicht zu Ende ist. Die Göttliche Komödie erweist sich als inspirative Quelle, die sich weiter auszuschöpfen lohnt und die mit ihrem Leitmotiv aktueller ist denn je: der Mensch als selbstbestimmtes Wesen, das durch seinen freien Willen verantwortlich ist für all sein Tun, aber auch für sein Unterlassen.
Trash Landing umfasst den Weg von der Hölle, auf den Läuterungsberg und über das irdische Paradies in den Himmel, welcher das Wort Trash nicht nur in seiner Übersetzung aus dem Englischen als Abfall, Müll – als das Entsorgte – behandelt, sondern auch als, so die beiden Künstler, „Von-der-Sorge-Losgelöstem und Aus-dem-gesellschaftlichen-Bewusstsein-Herausgetrenntem“. Sie spielen mit dem Belasteten und dem gesellschaftlich Verdrängten.
Lerz setzt sich malerisch mit Dantes Göttlicher Komödie auseinander, in der für ihn typischen Bildsprache mit horizontalen und vertikalen Streifen; die Polaroid-Serie nimmt Elemente der großformatigen Bilder auf und setzt diese mit Blattgold in Szene. Olafson hat seinen Schwerpunkt im Bereich Video-Installation und Performances. Gemeinsam gehen sie Fragen nach, die an Dantes Werk anknüpfen, und möchten wissen, was im immerwährenden Versuch der Menschen, das Paradies auf die Erde zu holen, entsteht.
Die großformatigen Malereien, die Polaroids und der komplett in Streifen gehüllte und mit Projektionen überzogene Renaissancesaal mit dem Video „Purgartio“ nehmen den Besucher mit auf eine Reise durch Himmel und Hölle, wobei der Betrachter sowohl historischen Motiven und mythologischen Wesen begegnet, als auch populären Gestalten und der Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Geschehnissen.
Das Künsterduo ist in Erfurt kein Unbekanntes – wie die Menschenmenge zur Ausstellungseröffnung belegt: 2012 waren Gunther Letz und C. W. Olafson mit ihrem Klangcontainer auf dem Domplatz, 2014 bauten sie ein Oktogon für Luther, 2016 folgte eine Installation im Stadtmuseum und nun die Kunsthalle. Mit Dante setzen sich Lerz und Olafson seit 2015 auseinander. Sie sind zwei Pole, die sich ergänzen und gegenseitig befeuern. „Ein bisschen Mut, ganz viel Glück und entspannt bleiben – nur so läuft das“, fasst C. W. Olafson ihren gemeinsamen Weg zusammen, er ist sich sicher, dass jeder für sich allein nicht so weit gekommen wäre und erwähnt ganz nebenbei und bescheiden, dass ihr Projekt von der Deutschen Dante-Gesellschaft geschätzt und unterstütz wird.
„Trash.Landing 2“ ist die ideale Ergänzung zu Ruprecht von Kaufmanns „Die Evakuierung des Himmels“ und darüber hinaus eine sehr persönliche Ausstellung, welche sowohl Interaktion und Interesse, als auch Reibung und Auseinandersetzung erzeugt. Das funktioniert alleine, aber noch besser im Dialog mit den Künstlern; darum gibt es am 22. Februar um 18 Uhr eine Führung mit den beiden Künstlern.
Die Ausstellung ist bis 2. April zu sehen. Weitere Führungen gibt es am 15. März um 18 Uhr und am 2. April um 11.15 Uhr (mit der Kuratorin Susanne Knorr). Die Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags bis 22 Uhr geöffnet.
Inga Hettstedt / 03.02.18

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