Phantom – Stimmen zum Festival „Treff Junges Theater Thüringen“ 2017

Jury-Begründung zur Preisträgerschaft:

[PE]
Was braucht man für einen inspirierenden Theaterabend? Ausstattung, Kostüm, Lightshow  und Nebelmaschine? Ja, zweifellos sehr bestechend. Und doch Quark, kann es am Ende eben niemals eininspiriertes Ensembleersetzen –  seinen Mut und seine Standhaftigkeit!
Das Projekt „Phantom“ lebt von fünf jungen Schauspielern, die mutig einen gesellschaftlichen Standpunkt beziehen. Sie portraitieren Menschen, lassen uns an deren Sehnsucht, Ohnmacht und Glück, an Flucht und Verderben teilhaben. Ganz ohne Zeigefinger und Betroffenheitsmoralismus. Das Ensemble entwickelt vor den Augen der Zuschauer ein gemeinsamesSpiel.Sie schaffen dabei im fliegenden Wechsel, mit dem geringst möglichen Aufwand einer Ausstattung, poetische Bilder einer berührenden Erzählung. Es ist die gängige Erzählung einer Flucht aus Armut und Unterdrückung ins Licht unserer glänzenden Republik. Um dort was zu finden? Klar, Armut und Unterdrückung. Mitten in Europa. Wer sind die Hundertschaften, die täglich auf dem Weg ins deutsche Licht verhungern, ersaufen und erfrieren? Doch noch viel drängender die Frage, die uns das Ensemble an diesem Abend stellt: Wo sind sie, wenn sie angekommen sind im Paradies? Untergetaucht. Ins Dunkel. Phantome. Dafür bietet dieses Paradies ausreichend Schmuddelecken. Dem Ensemble gelingt es auf eine bestechende Art, alle befürchteten Klischees ohne zu zögern auf die Bühne zu stellen und anschließend ebenso hemmungslos zu befragen. Und dann … – warum wird der Saal plötzlich heller? – sprechen sie uns an? – tun sie das wirklich? – nein, das glauben wir nicht – dann werden wir Zuschauer genauso hemmungslos befragt. Wir kommen nicht drumrum. Wir sind Teil davon. So sitzt man da nach 80 Minuten ohne Pause: aufgewühlt, inspiriert und mit (Thüringer) Kloß im Hals. Zum Glück war es nur EIN SPIEL. Wir sind nochmal heil davongekommen. Und jetzt wissen wir warum – und warum eben immer wieder so ein mutiges Ensemble die Bühne erobern muß:
„Denn die einen sind im Dunkel
Und die andern sind im Licht.
Und man sieht nur die im Lichte,
die im Dunkel sieht man nicht.“
(Brecht, Finale Dreigroschenoper)


Phantom - Kritik Treff sw


Stimmen zu Phantom sw

Die Entdeckung des Phantoms sw